Die TYPO3-Gretchenfrage – wie hältst du’s mit der Umsetzung?

Soviel ist klar, TYPO3 eignet sich besonders für komplexe und dynamische Seiten und Portale, bei denen die Inhalte regelmäßig aktualisiert werden müssen, gegebenenfalls von mehreren Redakteuren und Administratoren. Auch wenn es um die Anbindung an externe Systeme geht, hat TYPO3 die Nase weit vorn. Dank geringer Anforderungen kann TYPO3 auch problemlos auf Systemen wie einem Raspberry Pi installiert werden und Agenturen, die sich auf die Entwicklung mit TYPO3 spezialisiert haben, sind mittlerweile auch immer stärker vertreten. Dahingehend gibt es also praktisch keine Hürden mehr.

Doch viele Lösungen lassen sich auch mit anderen CMS-Systemen wie WordPress, dem beliebtesten und umfangreichsten CMS oder auch mit Drupal oder Magento (für Shopsysteme) umsetzen – und das sogar noch einfacher. Wann lohnt es sich aber dennoch, auf TYPO3 zu setzen? Diese Frage zu beantworten ist nicht ganz einfach und auch pauschal nicht möglich. Ein kleiner Überblick über Anwendungsbeispiele, sinnvolle Umsetzungsmöglichkeiten und Vorteile kann Euch aber dabei helfen, hier eine sinnvolle Entscheidung zu treffen. Unabhängig davon, ob Ihr Entwickler, Unternehmensinhaber oder Existenzgründer seid. In diesem Zusammenhang sei auch nochmal der Vergleich von Felix von der Agentur Elbflorenz Marketing ans Herz gelegt, den wir Euch im April letzten Jahres vorstellten. Zwar liegt TYPO3 mit rund 450.000 Anwendern zum Ende des Jahres 2016 weit hinter WordPress (es gibt alleine 59 Millionen geschätzte WordPress-Blogs weltweit), aber der Anspruch von TYPO3 ist es auch nicht, diese Anzahl zu überbieten. Es geht vielmehr um die Schaffung von Möglichkeiten, darum, extrem komplexe Strukturen einfach abzubilden und umfangreiche Möglichkeiten zu bieten. In welchen Bereichen dies sinnvoll ist und einen großen Nutzen bringt? Wir geben Euch einen Überblick.

Große Unternehmen mit umfangreichem Rechtesystem

Wenn es um die Big Player, also sehr große Unternehmen mit einem Umsatz jenseits der 500 Millionen Euro geht, kann man durchaus pauschal sagen, dass TYPO3 für die Umsetzung eines solchen Großprojekts geeignet ist. Denn insbesondere die großen Unternehmen benötigen ein umfangreiches Rechtesystem und eine einfache Anbindung an andere Software-Lösungen. Während es, wie Computerbild treffend formuliert, überdimensioniert für eine Privat-Homepage oder einen Blog ist, so bietet es für eine Unternehmens-Webpräsenz genau die richtigen Tools, um eine umfangreiche Seitenstruktur geordnet darstellen zu können, verschiedene Sprachen zu integrieren und Funktionen einzubinden, ohne die Übersicht zu verlieren. Nicht umsonst setzen große Unternehmen wie Philips Diktiersysteme auf TYPO3.

Shopintegration

Dass eine gute Integration eines Shopsystems in das bestehende CMS von TYPO3 möglich und auch sinnvoll umsetzbar ist, zeigt sich eindrucksvoll am Beispiel der Reisebank, die bereits auf der Startseite durch eine clevere Integration von Magento Produkte und Content präsentiert. Zwar ist TYPO3 selbst sicherlich nicht die erste Wahl, wenn es um die Realisierung von Shopsystemen geht, auch wenn es Webshop-Extensions gibt. Die bessere Variante ist sicherlich die Einbindung von Magento. Wer Magento einbinden möchte, findet im Blog von Comwrap sinnvolle Ansatzmöglichkeiten hierfür, sowie auch eine Auflistung der Nachteile, die damit einhergehen. Nicht empfehlenswert ist hingegen das Verwenden alter Extensions wie „tt_products“, denn ein so aufgebautes Shopsystem wird modernen Anforderungen nicht mehr gerecht.

Komplexe Webseiten mit umfangreichen Medien

An Komplexität kaum zu überbieten sind aufwendige Webseiten, die diverse Funktionalitäten ineinander vereinen, wie z.B. ein Bezahlsystem, eine umfangreiche Nutzer-Rechteverwaltung, eine Vielzahl von Redakteuren, ein umfangreiches Medien- und Online-Spielangebot sowie auch Videos und Live-Chats. Wenn man sich diese Komplexität veranschaulicht und einen Blick auf diese Anforderungen wirft, die ein Online-Casino wie Betway, das auch mit Sportwetten aufwartet, stellt, wird schnell klar, dass ein solcher Funktionsumfang mit herkömmlichen CMS-Systemen wie WordPress kaum zu realisieren ist. Dank problemloser Integration mehrerer Sprachversionen, umfangreicher Extensions für den einfachen Upload und die Verwaltung unterschiedlichster Medien, da Versionen und Content ständig aktualisiert werden müssen, spielt TYPO3 seine Stärken hier voll aus. Auch kleinere Projekte können dank Multimedia-Erweiterungen wie „rgmediaimages“ vom einfachen Umgang mit Medien aller Art profitieren.

Reiseportale

Ein gutes Beispiel für eine sinnvolle Umsetzung von TYPO3 ist die Verwendung bei einem Reiseportal. Nicht umsonst setzen große Anbieter wie FTI Touristik oder auch die Webseite 1-2-FLY der TUI AG auf das Content Management System TYPO3. Dank bereits vorhandener Extensions wie beispielsweise „Easytourist“ lassen sich auf Basis von TYPO3 umfangreiche und ansprechende touristische Webseiten für Reiseportale oder Reisebüros erstellen. Der besondere Anspruch liegt hier in der Anbindung an die Schnittstellen der Veranstalter und an das extrem komplexe Online-Buchungssystem, das über solche Erweiterungen auch für mittelgroße Unternehmen interessant und vor allem erschwinglich wird.

Vereine

Aufgrund des umfangreichen Angebotes, dynamischer, sich ständig verändernder Inhalte und hohen Anforderungen an Performance, Rechteverteilung und gegebenenfalls auch Buchungsmöglichkeiten oder der Integration eines Shopsystems setzen vermehrt auch Vereine und Organisationen auf TYPO3. Bekannte Beispiele sind der Deutsche Olympische Sportbund mit 27,5 Millionen Mitgliedern oder auch der Deutsche Fußball-Bund e.V., als größter Einzelsportverband der Welt. Ebenso bauen viele Fußball-Vereinsseiten auf TYPO3, denn die Anforderungen an eine Vereinsseite, die der 1. Bundesliga würdig ist, sind hoch. Der FC Köln konnte 2016 sogar den TYPO3-Award als beste Vereinsseite einheimsen.

Organisationen mittlerer Größenordnung

Betrachtet man die Gesamtzahl an TYPO3-Installationen, stellt man fest, dass unter den Anwendern im Vergleich zu anderen CMS-Systemen eine überdurchschnittlich hohe Zahl an großen Unternehmen vertreten ist. Dies liegt einerseits natürlich an den umfangreichen Möglichkeiten, andererseits aber auch daran, dass häufig behauptet wird, TYPO3 eigne sich nur für große Unternehmen. Dies stimmt jedoch nicht immer. Insbesondere auch kleine, aufstrebende Unternehmen können enorm davon profitieren, gleich in ein zukunftssicheres System zu investieren, statt später umstellen zu müssen. Selbst für Blog-Seiten, die erweiterte Funktionen bieten und zukunftssicher aufgestellt sein wollen, kann sich TYPO3 lohnen. Beispiele wie die 1962 gegründete Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V. finden sich zuhauf.

Unterm Strich

Schlussendlich zeigt die Übersicht und auch die Erfahrung, dass die Entscheidung, ob TYPO3 sinnvoll ist, nicht vom Inhalt oder der Organisation an sich abhängt. Auch die Größe spielt eine untergeordnete Rolle. Vielmehr hängt es von der Komplexität der Seitenstruktur, der Inhalte und der Anzahl an Nutzern und Redakteuren ab sowie davon, ob die Erweiterbarkeit der Seite offen bleiben soll, damit sie zukunftssicher ist.

Bild-Quelle: Pixabay

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Hat Euch der Artikel weitergeholfen oder gefallen? Ich freue mich auf einen Blick auf meine Amazon-Wunschliste. Vielen Dank!Ich bin freiberuflicher TYPO3-Entwickler, Web-Entwickler und Frontend-Entwickler. Ich arbeite im und für das Web etwas mehr als 12 Jahre. Mehr Infos zu der TYPO3 Internetagentur - INGENIUMDESIGN.

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